kann mir jemand bitte folgendes beantworten? Ich weiss wohl, dass eine verallgemeinerte Antwort da nicht geht, aber eine ungefähre Antwort würde mir schon sehr viel weiterhelfen.
Das Ausweichen von Konfrontationen und die Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen, bezieht sich das nur auf das Trinkproblem, also dass jemand ausweicht und keine Entscheidung trifft, etwas gegen die Abhängigkeit zu tun?
Oder trifft das auch auf andere Dinge zu, die gar nicht mit dem Trinken zu tun haben????
Das Ausweichen von Konfrontationen und die Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen bezieht sich bei einem nassen Alkoholiker nicht nur auf sein Trocken sein. Als Alkoholiker baust Du Dir eine Scheinwelt auf. Du vermeidest Konfrontationen , welche unangenehm werden können. Bist Du gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, verwirfst Du sie mit Sicherheit am nächsten Tag wieder, weil das, was Du Dir im Rauschzustand ausdenkst, nicht ausführbar ist. So war es jedenfalls bei mir. Jeder hat da seine eigenen Erfahrungen.
Habe ich mir schon gedacht, dass das so ist, war mir aber nicht ganz sicher.
Aber was, wenn die Dinge, die man hinausschiebt und sich scheut, eine Entscheidung zu treffen oder diesbezüglich was zu tun, obwohl es durchaus möglich wäre???
Ich meine, hat man dann solche Angst davor, eine Veränderung im Leben zu erleben, so dass man u.U. dann doch etwas nicht tut, obwohl man es zuvor selbst wollte, das Handeln dazu aber immer weiter von einemm Tag zum nächsten schob und schwupps sind Wochen oder gar Monate vergangen...???
Und dann tut man etwas gar nicht, weil es einem dann noch schwerer fällt??
Wie ist das???
Kann das auch so sein, wie ich das eben schrieb???
ja, das ist bei einem Alkoholiker auch so. Du willst heute etwas, bzw. Du nimmst Dir fest etwas vor und am nächsten Tag verschiebst Du es wieder. "Schwupps" - vergehen Tage und auch Wochen und dann hast Du vielleicht keine Lust mehr drauf. Es ist also so, wie du es vermutest.
Hi Seelensturm, meine Entscheidungsfähigkeit nahm zum Schluss bedenklich ab. Warum? Na weil meine einzige notwendige Entscheidung darin bestand, gehe ich gleich neuen Stoff besorgen oder erst etwas später. Und dann kam noch was ernsthaftes hinzu: alle 0,2 promille aufwärts war ich zur selben Angelegenheit durchaus nicht der selben Meinung. Die Meinung änderte sich, rein abhängig von der Trinkmenge. Wie sollte ich da überhaupt noch gescheite Dinge erkennen? und noch entscheiden?! Und im Bedarfsfall soff ich das Problem klein. ich grüße dich (und auch deine tolle Interessiertheit!) Max
Zitatich grüße dich (und auch deine tolle Interessiertheit!)
Dankeschön....
Ich interessiere mich das erst mal wirklich, mehr über die Krankheit zu erfahren. wenn man bedenkt, dass mein Vater schon jahrzehnte säuft und auch meine Mutter einmal soff, wundert es mich doch etwas, dass ich mich vorher nie ernsthaft darüber informieren wollte. Kam wohl daher, dass ich etwas engstirnig dachte und dachte, ich wüsste alles darüber, was es zu wissen gibt...
man malt sich eine Situation oder Entscheidung abends mit paar Promille aus. Am nächsten morgen hat man entweder Angst vor der eigenen Courage oder alles ist weg wie eine Seifenblase.
Und so verfällt der Alkoholiker seinem täglichen Trott. Morgens aufstehen, arbeiten, Verpflichtungen erledigen, saufen und wieder Seifenblasen.
Hi alle, da ich gleichzeitig Alkoholikerin und depressiv bin, ist mir die Abneigung, Entscheidungen zu treffen, wohl bekannt. Und Konfrontationen sowie Konflikte halte ich nur schwer aus, ich bin sofort davon überzeugt, dass mich alle ablehnen, und das tut so weh.
Solange ich zurückdenken kann, hat mich der Alk über diese Gefühle des Versagens hinweggetäuscht. Jetzt halte ich das aus, aber fragt mich nicht wie. Ich hätte das schon immer üben müssen, dann würde jetzt nicht die Welt untergehen, wenn mich jemand kritisiert. Aber so ist halt mein Weg.
wer/was ist in der Lage, einen Menschen wie dich, der so klare schöne Sachen schreiben kann, dazu zu bringen, sich klein zu fühlen! Ich fasse das nicht Sowas macht mich immer wütend und traurig zugleich! Hmm, ich hätte gern was für dich, um dich "aufzubauen"... Fällt mir aber auf Anhieb leider nichts ein, außer: Fahr doch mal nach Delft! Holland tut gut, und das Städtchen ganz besonders, finde ich.
auch als ein Mensch, der keine Depressionen hat und als Nicht-Abhängige dachte ich früher immer sofort bei jeder Kleinif´gkeit, es wäre gegen mich persönlich und die Leute mögen mich nicht oder nicht mehr.
Das tut echt verdammt weh. Aber man muss lernen, dass es gar nicht gegen einen selbst ist. Ich habe auch lernen müssen damit umzugehen und das war schwer. Und ich habe es immer noch nicht ganz gelernt. Aber mittlerweile weiss ich wenigstens, dass die Menschen nicht mich meinen, wenn sie mal keine Zeit haben oder schlecht drauf sind.
Ich dachte auch immer, wenn ich nicht immer nett und einigermaßen gut drauf bin, dann mögen mich die Menschen weniger. Aber es ist gerade umgekehrt, wenn ich bin wie ich bin, dann mögen mich die Menschen.
Früher dachte ich immer, wenn jemand schlecht gelaunt war, es wäre wegen mir und der- oder diejenige mag mich plötzlich nicht mehr. Ganz schön doof, was?
Ich würde dir gerne irgendetwas sagen können, das dir hilft, aber ich weiss nicht was... Nur eins noch, lerne dich selbst zu lieben, dann geht alles viel leichter, du wirst sehen, dann wirst du auch merken, dass kritik und das alles nicht gegen dich persönlich gerichtet ist, sondern dir sogar helfen kann, dich persönlich weiterzuentwickeln.
Ach goldie, wenn ich dir doch auch wenigstens den Tipp geben könnte, wie du das mit dem dich selbst lieben auf die Reihe kriegst. Aber ich weiss selbst nicht, wie das genau geht. Ich mag mich schon selbst sehr, nur wie es funktioniert, da weiss ich keine Antwort drauf.
ich bin ganz beglückt über Eure Antworten, vielen Dank.
Meine Schwierigkeiten, die ich immer wieder mit Alkohol zu bewältigen versucht habe, sind in meiner Kindheit begündet, das könnt Ihr Euch sicher denken. Das ist eine Hypothek, die ich mit mir rumschleppe. Ich war auch schon in Therapie, da habe ich alles ganz klar erkannt, aber es ist schwer, dieses Wissen in die Tat umzusetzen. Dabei hilft es mir immer wieder, wenn ich Dinge unternehme, Sport treibe, überhaupt, wenn ich aktiv bin.
Mich selbst zu akzeptieren und zu mögen, Seelensturm, ist tatsächlich mein grosses Ziel. Manchmal ergreift mich Verzweiflung, wenn ich in Panik gerate, weil wieder etwas total schief geht. Ich habe einfach kein Vertrauen, wie soll ich mich da annehmen?
lerne dir selbst zu vertrauen. Vielleicht ist das erst mal auch einfacher als dich selbst lieben zu lernen.
Und das wichtigste und das 1., das du tun solltest: akzeptiere dich selbst so wie du bist!
Es ist kein Mensch perfekt. Und gerade das macht uns Mensche so wertvoll, dass wir unsere größeren und kleineren Schwachpunkte haben, mit denen wir aber lernen müssen, umzugehen, ja, und sie zu akzeptieren.