ich war heute vormittag beim Arzt, da ich ziemlich erkältet bin. Es ist der gleiche Arzt, der mich am 6.3.2006 in die Klinik zur Entgiftung eingewiesen hat. Er fragte mich auch, wie es so mit der Abstinenz läuft und ich sagte, dass ich seit diesem Tag keinen Alkohol mehr zu mir genommen habe.
Er stellte dann bei mir eine Bronchitis fest, verschrieb mir ein Antibiotikum, einen Hustenlöser und ein Medikament zum inhalieren.
Auf meine Frage:" Sie gucken aber, dass in den Medikamenten kein Alkohol ist?" meinte er, in dem zum inhalieren sei etwas drin, aber ich würde das ja nicht trinken und wohl kaum merken.
Ich lächelte ihn nur ziemlich perplex an und bat ihn doch, ein alternatives Medikament ohne Alkohol rauszusuchen, da ich das andere nicht nehmen würde, auch wenn ich den Alkohol nicht merken würde.
Er hat dann auch ohne zu murren ein alkoholfreies gefunden und aufgeschrieben.
Allerdings werde ich mir jetzt einen anderen Arzt suchen. Kann doch nicht sein, dass er, der von meiner Krankheit seit Jahren weiß und mich ein paar Minuten vorher noch fragt, wie es bzgl. Alkohol läuft, mir Alkohol verschreibt, obwohl es Alternativen gibt. Vielleicht hat er die ein oder andere Fortbildung verpasst?
Kann ja sein, dass ich es mit der Abstinenz zu genau nehme, aber mich hält diese Genauigkeit am Leben.
Diese Geschichte zeigt mir mal wieder, wie achtsam ich permanent sein muss.
Gerade der Satz, dass ich den Alkohol wohl kaum merken würde, ließe wohl jeden Psychologen mit Fachgebiet Abhängigkeitserkrankung die Hände über den Kopf zusammenschlagen lassen.
Ganz wichtige Lehre aus diesem Arztbesuch: Eigenverantwortung!!!
Ist Dein Arzt sonst Okay? Dann würde ich bleiben. Du weißt nicht, wie der nächste reagiert. So im großen und ganzen nimmt der Dich und Deine Erkrankung doch ernst. Ich vermute mal, dass es aus medizinischer! Sicht für den Arzt vertretbar ist. Und er das von daher vorgeschlagen hat - aber Du hast ja für Dich passend reagiert, weil es für Dich eben nicht vertretbar ist (was ich persönlich für konsequent halte). Und der Arzt hat es dann wohl auch nicht abgetan.
Das kann Dir mit jedem Arzt wieder passieren. Passiert mir dauernd - trotzdem würde ich auf meinen Arzt nichts kommen lassen.
Ich hatte ehrlich gesagt schon den Eindruck, dass er die Folgen meines Alkoholkonsums ernst nimmt. Er warnte mich damals z.B. vor einer Leberzirrhose, wenn ich so weiter trinken würde. Allerdings glaube ich, er ist der Meinung, dass man einfach diszipliniert sein müsse, um nicht zu trinken. War nur mein Gefühl, aber als ich damals sagte, ich würde jetzt eine LZT machen, hat er schon sehr skeptisch geguckt.
Klar ist es kein typischer Rückfall, wenn man ein alkoholhaltiges Medikament zu sich nimmt, aber meiner Meinung nach ist es ein Risiko, das ich vermeiden kann und da erwarte ich von meinem Arzt schon die Unterstützung und den "Service", dass er etwas für mich Passendes raussucht. Und das nicht erst, nachdem ich ihn darum bitte. Vielleicht erwarte ich aber da auch zu viel von einem Allgemeinmediziner.
Das Wichtigste ist, glaube ich, wirklich die Tatsache, dass da jeder für sich selbst sorgen muss.
Und vielleicht bin ich heute auch einfach etwas zu empfindlich und wehleidig und hab das Bedürfnis, umsorgt zu werden. Ist wohl so, wenn man krank ist.
stehe zwar erst am Anfang dessen was die meisten wohl schon hinter sich haben, aber gerade meine Hausärztin war es, die mich auf mein Problem angesprochen hat und auch jederzeit für mich Ansprechpartnerin ist.
Aber ich glaube trotzdem, dass damit viele Ärzte einfach damit überfordert sind!!
Wirklich helfen tut mir im Moment nur, dass Stöbern und anderen vielleicht auf die Nerven gehen, in diesem Forum!
Ich denke nicht, dass Du zu überempfindlich bist, was Deine Verweigerung Alkohol - aus welchem Grund auch immer - anbelangt.
Aber vielleicht dem Arzt gegenüber. Ich denke, dass ein Arzt ein Medikament als Medikament sieht und nicht als Alkohol. Das ist in unserer eigenen Verantwortung.
Mein Arzt beispielsweise nimmt mich völlig ernst. Allerdings passiert es ihm immer wieder, dass er mir ein alkoholhaltiges Medi empfehlen/verschreiben will. Da bin ich dann immer selber gefragt. Und ich bin ja des Lesens kundig und frage auch immer noch den Apotheker.
Aber das musst Du entscheiden, ob der Arzt Dein Vertrauen verloren hat, oder ob Du Deinem Arzt das nachsiehst und Dir sagst, dass Du für's "Lesen", bist Du selber verantwortlich.
das ist gut, dass Deine Hausärztin Deine Ansprechpartnerin ist. Das war mein Arzt nie wirklich für mich. Er hat nur die Überweisung geschrieben und das auch mehr oder weniger auf meine Bitte hin.
Ich habe aber zum Glück und dafür bin ich sehr dankbar, mittlerweile Ansprechpartner, die sich mit unserem Krankheitsbild auch wirklich auskennen.
Und ich hab auch im laufe meiner trockenen Monate gelernt, worauf ich achten muss.
Bin vielleicht wirklich nur etwas enttäuscht, aber solange ich weiß, worauf es für mich ankommt, kann ich mit solchen Enttäuschungen einigermaßen leben.
Mein Arzt beispielsweise nimmt mich völlig ernst. Allerdings passiert es ihm immer wieder, dass er mir ein alkoholhaltiges Medi empfehlen/verschreiben will. Da bin ich dann immer selber gefragt. Und ich bin ja des Lesens kundig und frage auch immer noch den Apotheker.
@suse
Ich sehe es genauso, dass ich letztendlich selbst dafür verantwortlich bin, was ich schlucke. Und ich gucke bei so ziemlich allem was ich kaufe auf die Zutaten. Aber wenn wir (der Arzt und ich) uns kurz vorher noch darüber unterhalten, dass ich seit über 1,5 Jahren keinen Alkohol mehr zu mir genommen habe...
Es mag ja med. nicht gefährlich sein, aber die Aussage, dass ich das wohl kaum merken würde, hat mich schon sehr irritiert.
Werde mir aber noch mal Gedanken machen. Fand es jetzt auch nicht den Weltuntergang, dass ich mich selbst kümmern musste. Zeigt mir ja auch, dass ich es tue. Mich kümmern. Um mich.
Und beim nächsten Mal muss ich wahrscheinlich nur noch sagen: " Sie wissen ja, kein Alkohol "
Ich hab die Erfahrung gemacht, daß gerade Suchtexperten - also Therapeuten und Suchtmediziner - manches nicht so panisch sehen.
Manche sagen Dir glatt, wenn Du von ein paar Milligramm Alkohol rückfällig wirst, wars nicht der Alkohol, sondern dein eigener Glaube, daß Du dann zwangsläufig saufen müsstest, oder Dir war der Grund zum weitertrinken tief drinnen gerade recht...
Das kann ich mir sehr gut vorstellen und es hört sich sehr plausibel an. Bin auch ziemlich überzeugt davon, dass ich dadurch nicht rückfällig geworden wäre. Aber wer weiß? Muss ich ja nicht unbedingt ausprobieren.
ZitatGepostet von Lissy01 Andere Ärzte nennen es vermutlich "renitent", aber das macht nix
Hallo Lissy,
genauso handhabe ich es ja auch. Mittlerweile. Als ich damals im März 06 zur Entgiftung war hatte ich einen entzündeten Kiefer und habe vom Stationsarzt, der bis vor zwei Wochen auch noch mein Therapeut war, Schmerzmittel verschrieben bekommen. Dreimal tägl.
Dann war ich beim Zahnchirurg und hatte keine Schmerzen mehr. Das Medikament stand aber noch in meiner Akte und die Schwester sagte: "wenn das da drin steht, dann müssen Sie das auch nehmen. Ausserdem hab ich das jetzt schon ausgepackt und wegschmeißen will ich das nicht." Natürlich hatte der Arzt vergessen, es zu streichen, aber ich hab´s trotzdem geschluckt, obwohl ich völlig schmerzfrei war.
Na, das würd mir heute aber nicht mehr passieren. Heute könnte die Schwester es selbst schlucken, wenn sie es nicht wegschmeißen will.
Aber ich war ja damals auch ziemlich fertig und noch ganz am Anfang.
Vielleicht geb ich meinem Hausarzt ja noch ne Chance. Muss Freitag wahrscheinlich noch mal hin, dann sprech ich ihn aber auch noch mal an.