das schlimme war, dass ich ohne nicht mehr leben konnte und es mir nur noch hundsmiserabel ging. Ich konnte nicht mehr arbeiten und hatte enorme psychische Probleme mit Depris und Panikattacken, so dass ich glaubte ich kratz jeden Moment die Kurve.
ZitatGepostet von fairy111 Das Schlimmste am Trinken ist für mich u.a. auch die Scham:
- dass ich heimlich trinke und dabei immer kreativer werde
- dass ich meinen Partner in Bezug auf meinen Konsum belüge
- dass ich SMS geschickt habe, für die ich mich am nächsten Tag entschuldigen musste...
Kenn ich auch alles, und hab es für mich auch als sehr schlimm empfunden. Hinzu der Ekel und die Nichtachtung vor mir selbst, die Schuldgefühle meinen Kindern gegenüber, und dass ich letztendlich dem Alkohol erlegen war, denn wenn ich angefangen habe zu trinken, konnte ich nicht aufhören, selbst wenn ich hätte heulen können darüber.
GlG Usa
Es ist besser, geringe Taten zu vollbringen, als große zu planen. (Chinesisches Sprichwort)
newlife
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16.08.2011 08:07
#21 RE: was ist für euch das schlimmste am trinken?
Rückblickend finde ich die Scham auch sehr schlimm. Hab ich als Nasser aber nicht so gesehen. Sicherlich hab ich mich Kacke gefühlt, wenn ich wusste, ich wurde besoffen irgendwo rumliegend wieder gesehen und wusste nicht mehr von wem. Oder wenn ich irgendwie die Treppen hochgekrabbelt bin. Wenn ich dann wieder soff, war die Scham wieder weg.
Der Kontrollverlust hat mir dennoch sehr zu schaffen gemacht. Ich kann einfach nie sagen, wenn ich saufe, in welchem Disaster es wieder endet.
Manchmal waren auch Arbeitskollegen mit mir etwas trinken. Wenn die weg waren, bin ich dann zur Tanke oder direkt in die Wohnung, wenn noch genug da war. Und dann hock ich wieder nach Sprit stinkend im Büro, seh aus wie der Tod und wusste nicht was ich denen dann wieder erzählen sollte. Gut, dass das nicht mehr so ist.
für mich war schlimm: all die versoffene u.vergeudete Zeit und das Wissen darum nicht wirklich zu leben sondern gelebt zu werden. Nicht ich selbst zu sein.
LG
"Wenn du ein Problem hast und es nicht haben willst, hast du bereits zwei. "
das schlimmste für mich war, dem ausgeliefert zu sein...dieser Abhängigkeit, mein Leben war nicht mehr selbstbestimmt und ich konnte mich nicht mehr auf mich verlassen
Für mich war das Schlimmste, dass ich fremdbestimmt wurde. Die Sucht schließlich mein Ehepartner wurde. Die Scham kam erst in der Frühe, im Nüchternwerden. Damit ich diese Scham nicht ertragen musste, begann jeder Tag gleich. Der Spiegel zeigte mir mein wahres Gesicht. Schlecht, fad, einfach beschissen. Das kuriose dabei war aber, ich sah durch den Spiegel hinweg und sah ein junges schüchternes Mädchen und wollte nicht erkennen, dass ich schon längst nicht mehr das süße nette Mädel war, sondern eine aufgeschwemmte Alkoholikerin. Diese Erkenntnis dauerte sehr lang und war für mich letztendlich das Schlimmste am Trinken.
ja wie sehr man sich selbst betrügen kann. unglaublich. ich finde ja immer noch diese geschichte vom kleinen prinzen so unglaublich passend. man schämt sich, weil man trinkt und trinkt, weil man sich schämt.
das lässt sich auf vieles ummünzen. man hat angst, weil man trinkt und trinkt weil man angst hat. man ist (anfangs) fröhlich, weil man trinkt und trinkt, weil man fröhlich ist. man ist traurig, weil man trinkt und trinkt, weil man traurig ist. usw usf.
vielleicht ist doch der teufelskreis das schlimmste am trinken. zumindest von der dynamik her. persönlich ist es wohl immer was anderes. wobei mir schon auffällt, dass die meisten von euch schreiben, dass die fremdbestimmung persönlich das schlimmste war.
ich persönlich kann noch nicht so recht einschätzen wie sehr oder wenig fremdbestimmt ich vom alkohol bin. kommt eben drauf an wie man was bewertet. seit ich endlich ein problembewusstsein entwickelt habe und nicht mehr sorgenlos kippe, kippe und kippe, je nach lust und laune, beobachte ich mich in den verschiedensten situationen. bis jetzt fällt das ergebnis für mich persönlich recht positiv aus, ich merke, dass es mir recht leicht fällt nein zu sagen und zb bei zwei bier zu bleiben, wenn ich es mir vornehme. trotzdem hüte ich mich wie ein gejagdter hase davor, daraus zu schließen ich hätte kein problem, nur weil ich (vielleicht NOCH) nicht völlig fremdbestimmt von dem zeug bin. immerhin gab es ja diese zeit, die noch nicht allzulang her ist, wo ich eben gekippt und gekippt habe und man wirklich nicht mehr von kontrolle reden konnte. wieso also sollte sich das einfach so ändern? könnte im moment ja auch einfach nur an meinem unbedingten willen liegen etwas zu ändern. und nichts fürchte ich mehr als irgendwann einen höhenflug zu kriegen und zu denken "na siehst du, hast es ja eh unter kontrolle wenn du willst" und weiter gehts mim kippen, juhuuui! da ist fremdbestimmung wohl nur noch ein leerer begriff, den man wie es einem in den kram passt füllen kann.
auch wenn ich nicht zu voreilig sein möchte, aber womöglich hab ich echt schwein gehabt, dieser totalen fremdbestimmung noch knapp entgangen zu sein. und ich bete zu allen göttern, dass ich auf diesem kurs bleibe und es zu keiner totalen fremdbestimmung kommen lasse, sondern den lieben freund alkohol einfach links liegen lasse. so wie er es mit mir tut, jeden morgen nach einer durchzechten nacht.
ich denke diese Fremdbestimmung hat(mindestens)zwei Gesichter. Zum einen der enge Clinch mit dem Alkohol wo der unmittelbare Drang sehr deutlich ist, wo die Einbahn zum erleichternden Trinken vielbenutzt ist und sofort zur Verfügung steht.Saufdruck halt.
Die subtileren Muster hab ich erst später wahrgenommen. Der Geist ist recht tricky; so kann ich mich noch gut erinnern mit welcher Raffinesse er mich auf Umwegen versucht hat zu überreden, z.T. mit Lockungen die auf den ersten Blick gar nichts mit Trinken zu tun haben. Sentimentale Gefühle oder die "guten alten Zeiten", gesellschaftliche Kontakte, Stituationen der Anerkennung und sogar Momente der Inspiration. Und so weiter.
Einmal war es so - und das ging über mehrere Tage - da konnte ich im Inneren einen regelrechten Dialog oder vielmehr eine Art Verhandeln (über mich, meine Seele) mit anhören. Verrückt, da stand auf der einen Seite die Partei der trockenen Lebensweise und auf der anderen der Advokat des Teufels. Von der Argumentation her fand das auf einem recht hohen Niveau statt mit unglaublichen Statements. Wie in einem Gerichtsdrama, ohne mein Zutun. Echt krass..
Und ich weiss noch daß ich mich mal mit mir oder mit dem advocatus diaboli auseinandergesetzt habe: ich habe mir sämtliche Argumente und Gründe fürs Trinken angehört, dem wirklich zugehört und konnte erleben wie auch noch der raffinierteste Gedankengang keinen Zugang finden konnte, um die "gefestigte Burg der Abstinenz" zu erobern.
Ein wichtiges Erlebnis und auch ein endgültiges das nachhaltig das Thema Alkohol beendet hat.
Es gibt noch weitere Ebenen der Fremdbestimmung, die dann aber mit der Persönlichkeit in anderer Hinsicht zu tun haben. Vergangenheit und Faktoren der Kindheit und des Heranwachsens, Erfahrungen mit Alkohol in der Familie und dgl mehr. Löcher in der Persönlichkeit die mit Verhaltensweisen kompensiert werden, die ihren Ursprung im Außen haben und nicht wirklich mit mir zu tun haben.
Ich nenn es die Arbeit an mir selbst, in diesen Bereichen zu untersuchen wie ich gestrickt bin. Die Themen kommen oft überraschend und mit einer rotleuchtenden Dringlichkeit, zu anderen Zeiten grabe ich selbst und stoße drauf.
Kreist halt um fundamentale Fragen wie:
"wer bin ich?" "was tue ich, was tue ich wirklich?"
Schönen Tag
Randolf
"Wenn du ein Problem hast und es nicht haben willst, hast du bereits zwei. "
Für mich war am Schlimmsten am Trinken all der erniedrigende Dreck, mit dem ich mich abgegeben habe.
("Erniedrigender Dreck" trifft sehr gut das, was ich irgendwann nicht mehr ertragen konnte. Ich habe den Ausdruck jetzt von Nick entliehen, der an fairy111 u.a. geschrieben hatte "Je schneller Du also verstehen kannst, dass ein Heilwerden (fast) unmöglich ist ohne fachlichen Beistand zu suchen und zu finden, desto größer werden Deine Aussichten auf ein friedvolles und erfülltes Leben ohne all den erniedrigenden Dreck, mit dem Du Dich jetzt noch abgeben musst.")
Friedi
____________________________________________________________________________________________________ Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, was für ein köstlicher Schatz es ist, zu leben, zu atmen und sich freuen zu können. Marc Aurel
newlife
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18.08.2011 10:00
#29 RE: was ist für euch das schlimmste am trinken?
was meinst du denn damit ? Meinst du Personen "unter deinem Niveau" ? So ähnlich drückt Jellinek das aus.
Ich kann damit nicht so viel anfangen. Ich arbeite zwar bei unserer Stadtverwaltung und habe einen guten Job.
Dennoch unterhalte ich mich lieber mit jemanden von der Straße als mit so einem angepissten Anzugträger. Auch wenn ich nüchtern bin ist das so, ich bin halt so gestrickt.
ich meine nicht "Personen von der Straße", sondern Leute, mit denen ich beim Trinken zusammen saß und die sich z.B als Rassisten, Befürworter der Todesstrafe oder Rechtsextreme entpuppten. Ich finde es erniedrigend, mit solchen Leuten des gemeinsamen Saufens wegen "freundschaftlich" zu verkehren.
Weiterhin fand ich es erniedrigend, wenn ich bei Auseinandersetzungen klein beigegeben habe, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte. Das heimliche Entsorgen des Leerguts, das Wechseln der Geschäfte, um nicht aufzufallen, die Bestellungen beim Pizzadienst, obwohl ich keinen Hunger hatte und nur Wein ins Haus geliefert bekommen wollte, weil ich mich nicht mehr heraustraute. Wie ich mich betrunken Männern an den Hals schmiss und wie ich morgens, wenn nur noch leere Flaschen da waren, ich versuchte, da noch ein paar Tropfen raus zu quetschen, um meinen Saufdruck zu befriedigen. Das sind nur ein paar Bespiele zur Illustration, es gibt aber mehr.
Friedi
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