über die unfruchtbaren standpunktdiskussionen abstinenzwille, entschlussschwäche und hintertürchen, die mein partner und ich letzthin geführt haben, bin ich auf einen aspekt gestossen, der mir einen inneren widerstand erklärt:
ich stelle das einfach mal rein und schreibe morgen darüber, welche überlegungen in der zwischenzeit aufkamen. jetzt brauch ich erst mal 'ne mütze schlaf
Der Verfasser beschreibt recht schön die Paradoxa der Suchtkrankenhilfe, bietet aber leider keinerlei Ansatz, wie denn anders, uU besser zu handeln wäre.
Mir stösst auf, daß er zur Unterstützung seiner Thesen nicht nur pointiert formuliert (das ist ja ok), sondern teilweise Fakten, die seit Jahren so nicht mehr propagiert werden, als immer noch gegeben hinstellt. So frage ich mich, wem in welcher Einrichtung heute noch der lebenslangen Besuch einer Gruppe "verordnet" wird - außer in Gruppen (sic!) der strengen Observanz, die in der Bob+Bill-Zeitschleife, bzw. in der Abstinenz-Propaganda-Phase ihres Verbandes festhängen.
Ich hätte halt gerne gewußt, was denn die neuen Impulse und Ufer sind, von denen er im letzten Absatz schreibt. So bleibt bei mir ein schales Gefühl zurück.
ZitatGepostet von vicco55 - außer in Gruppen (sic!) der strengen Observanz, die in der Bob+Bill-Zeitschleife, bzw. in der Abstinenz-Propaganda-Phase ihres Verbandes festhängen.
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Viktor[/b]
Beschreibung des Jahres..
darf ich das zitieren und eventuell im Zusammenhang bei Diskussionen über anachronistische Strukturen bei SHG auf Homepages oder CliC - Forum verwenden???
Gibt dann als Benefit ein Strandferkel - Bank SitzplatzVIPkissen..
_____________________________________________________________________________________ Auf MEINEM eigenen Weg kann mich keiner überholen.
ZitatGepostet von vicco55 - außer in Gruppen (sic!) der strengen Observanz, die in der Bob+Bill-Zeitschleife, bzw. in der Abstinenz-Propaganda-Phase ihres Verbandes festhängen.
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Viktor
Beschreibung des Jahres..
darf ich das zitieren und eventuell im Zusammenhang bei Diskussionen über anachronistische Strukturen bei SHG auf Homepages oder CliC - Forum verwenden???
Gibt dann als Benefit ein Strandferkel - Bank SitzplatzVIPkissen..
Aber gerne
Tante Edit meint, Mehrfachquoting repariert, da kaputt (ein [/b] zuviel)
ZitatGepostet von vicco55 ...... Mir stösst auf, daß er zur Unterstützung seiner Thesen nicht nur pointiert formuliert (das ist ja ok), sondern teilweise Fakten, die seit Jahren so nicht mehr propagiert werden, als immer noch gegeben hinstellt.
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Der Artikel ist ja nun auch schon gut 20 Jahre alt!
____________________________________________________________________________________________________ Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, was für ein köstlicher Schatz es ist, zu leben, zu atmen und sich freuen zu können. Marc Aurel
die zeitschleife ist tatsächlich seltsam und systemisch heisst nicht wohl automatisch, dass immer gleich noch die lösungsorientierung folgt. es werden eingangs auch nur "betrachtungen" angekündigt. aufhänger für den artikel ist der krankheitsbegriff, der irgendwann die "grundannahme säufer = böse ( = aktiv und selbstverantwortlich) durch krank ( = passiv, erleidend, nicht selbstverantwortlich"1) ersetzte.
und genau da regt sich in mir immer zuverlässig widerstand:
im falle (m)eines rückfalls oder beim geringsten zeichen, dass sich einer ereignen könnte, passiert folgendes: die durch mein umfeld vorgenommene wertneutrale zuschreibung 'alkoholkrank' kollidiert urplötzlich mit enttäuschung oder wut über meine autonomie, selbst zu entscheiden, ob ich trinke. ambivalenz - plötzlich gilt beides - oder weder noch.
mal dahingestellt, dass der einzige weg daraus wohl wirklich ist, keinen tropfen anzurühren (ganz so unbelehrbar bin ich gar nicht), erstaunt mich doch immer wieder, wie schnell diese wende vonstatten geht - und wie wir alle unter dieser ambiguität leiden.
oder: und das kenne ich nur zu gut...
"In „Suchtfamilien“ werden „Süchtige“ oft aufgefordert, sich vernünftig und autonom zu zeigen, aber auf genau die Art und Weise, die ihre Angehörigen für richtig halten. Diese paradoxe Erwartung wird von den Betroffenen selbstverständlich als Bevormundung erlebt und nicht selten mit totaler Verweigerung oder Steigerung des Suchtmittelkonsums beantwortet."1)
1) zitiert aus: FRANZ ERBACH UND KORDULA RICHELSHAGEN, 1992: Wie chronifiziere ich Suchtkranke am besten? Isomorphe Strukturen im Kontext der Suchthilfe
deshalb also mein innerer widerstand gegen jegliche vorschrift, wie ich punkto alkohol zu handeln und zu denken habe.
ZitatGepostet von orsa ... deshalb also mein innerer widerstand gegen jegliche vorschrift, wie ich punkto alkohol zu handeln und zu denken habe.
gute nacht
Guten Morgen Orsa,
obiges verstehe ich sehr gut. Bin ich doch selber einer von denen, die automatisch zumachen, wenn da jemand von mir verlangt, ich soll dies und jenes machen. Diese Totschlagrethorik ala, wenn Du das und dies nicht machst, dann stirbst Du unweigerlich; bin ich doch schon an vielen Gräbern von Alkoholikern gestanden ... Rhabarber, Rhabarber ...
Ich wußte schon jahrelang, das nur Abstinenz mich aus dem Alkoholsumpf ziehen kann. Diese war für mich aber lange unvorstellbar, Alkohol schließlich ein "Menschenrecht" Als es mir immer schlechter ging, daß ich sogar die Abstinenz in Kauf nahm, war mir relativ wurscht, ob ich nun krank bin oder verstockt oder verkommen oder was auch immer. Ich wollte Hilfe und die bekam ich. Ich habe mir jedoch nicht jeden Schuh angezogen, den sie mir in Tönisstein oder bei der Suchtberatung hingehalten haben. Ich habe aber versucht, mir zumindest anzuhören, was mir widerstrebte. Manches, was ich zunächst innerlich ablehnte, stellte sich nachträglich als durchaus brauchbar raus. Manches war halt Therapeuteneinschätzung und für mich nicht anwendbar. Auch Therapeuten sind nur Menschen und fehlbar.
In der Abstinenz habe ich nach und nach gelernt, selbst bestimmt zu leben. Dazu gehört auch meine Überzeugung: Ich darf Alkohol trinken! Niemand verbietet mir das! Ich will aber nicht.
Was ich versuchte zu sagen: Mach Dein Ding, aber laß Dich auf die angebotenen Hilfen ein. Danach kannst Du immer noch nach Paradoxien und Widersprüchen suchen, vielleicht sogar den absolut neuen, überzeugenden Therapieansatz entwickeln. Den Bärenweg Wär doch was
mich plagt diese Ambivalenz nicht mehr, nachdem ich vor dem Alkohol kapituliert habe. D. h.,ich habe verinnerlicht, dass ich dem Alkohol gegenüber machtlos bin (1. der 12 Schritte:zwinker1.
Meine Erfahrung: Wenn ich vorhatte, "ein Gläschen" zu trinken, wurden es Flaschen. Bier oder Wein. Später, weil das Anschleppen und Entsorgen der Flaschen lästig wurde, kam Wodka dazu.
Ich musste allerdings erst an einem (gefühlten) Tiefpunkt ankommen und tiefe Verzweiflung über meinen Zustand spüren, um meinen Kampf gegen den Alkohol(Versuche "normal" zu trinken) aufgeben und kapitulieren zu können. Nur mit Vernunft und Willen wäre das bei mir wohl nichts geworden.
Ich habe mich entschieden, das erste Glas stehen zu lassen, egal welchen Anlass ich mir zurecht legen könnte, und halte meine Einstellung für eine gute Grundlage für dauerhaftes Trockensein.
Friedi
____________________________________________________________________________________________________ Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, was für ein köstlicher Schatz es ist, zu leben, zu atmen und sich freuen zu können. Marc Aurel
Habe gerade in Ruhe Dein Post nochmal gelesen und gemerkt, daß ich mich im vorigen Post etwas verschrieben habe, daß es Dir gar nicht um die angebotenen Hilfen geht, sondern um das Verhalten Deines Umfelds.
Als ich damals in die 8-wöchige stationäre Therapie ging, meinte meine (Ex-)Frau, prima, dann bekomme ich ja endlich den Mann zurück, den ich mir immer erträumt habe. Zurückgekommen ist aber ein zunehmend selbstbewußter werdender Mann, der versuchte, seinen Platz und seine Rolle in der Familie zu finden. Das ging nicht ohne Reibungsverluste mit Frau und Kinder ab. Das ist ja das Paradoxon: der Abhängige soll zwar nichts mehr trinken, keine suffbedingten Aggressionen mehr bringen, aber handzahm, schuldbewußt und unterwürfig bleiben. Das funktioniert so natürlich nicht. Abstinenz geht nur mit Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein. Daher gilt, nicht nur der Betroffene, sondern auch die Angehörigen sollten sich Hilfe holen, zumindest müssen sie sich auch verändern.
der erwähnte widerstand ist da. punkt. ich beginne ihn zu erkennen und seine hintergründe zu verstehen. damit wird mir eine darauffolgende dynamik klar, die nicht zielführend ist. daran kann ich arbeiten, mit meinem umfeld zusammen, sprich in erster linie meinem partner und meiner therapeutin.
ich heisse diesen widerstand nicht einfach unreflektiert gut und entschuldige mit der systemischen sichtweise, woraus er entsteht, keineswegs die reaktion "totaler Verweigerung oder Steigerung des Suchtmittelkonsums" 1)
einen schönen tag wünscht dir die bärin
1) zitiert aus: FRANZ ERBACH UND KORDULA RICHELSHAGEN, 1992: Wie chronifiziere ich Suchtkranke am besten? Isomorphe Strukturen im Kontext der Suchthilfe